Die Geschichte des Klosters Břevnov

Das Kloster Břevnov,

erstes Männerkloster auf dem böhmischen Gebiet, ist vom böhmischen Fürsten Boleslav II. († 999) und vom zweiten Prager Bischof hl. Adalbert (tschechisch: Vojtěch) (etwa. 956—997) gegründet worden.

Hl. Adalbert,

der aus der Adelfsamilie der Slavnikiden (tschechisch: Slavníkovci) stammte, lernte die Benediktiner und ihre Spiritualität schon in der Zeit seiner Studien in Magdeburg kennen. Im Jahre 983 trat er den Prager Bischofstuhl ein, nach zahlreichen Streitigkeitten mit heimischen Aristorkratie und Klerus ist er aber Ende des Jahres 988 nach Rom gegangen. Ein Jahr später trat er in Rom ins St. Bonifatius und St. Alexius Kloster auf Aventin ein. In Folge von Drängen des Erbischofs von Mainz und auf Befehl des Papstes kehrte er aber im Jahre 992 nach Prag zurück. Aus dem Benediktinerkloster auf dem Aventin nahm er dabei zwölf Mönche mit sich. Für sie gründete er zusammen mit dem Fürsten Boleslav II. im Jahre 993 zu Ehren der Muttergottes und des hl. Benedikt, Bonifatius und Alexius die Abtei Břevnov. Die Gründung wurde bestätigt vom Papst Johannes XV.; seine Urkunde aus 31. Mai 993 gehört zu den ältesten Nachweise der Existenz dieses Klosters.
Im Jahre 994 aufs neue Bischof Adalbert verliess Prag. Auf der Missionsreise nach Preussen ist er dann durch Märtyrertod am 23. April 997 gestorben.

Der erste Abt in Břevnov Anastas ist höchstwahrscheinlich im Jahre 996 zusammen mit einigen Mönche nach Ungarn gegangen. Der ungarische Fürst Gejza hat ihnen die Martinsberg (Pannonhalma) zur Gründung des Klosters angewiesen.

Die erste Břevnover Mönche bewohnten wahrscheinlich zunächst provisorische Holzbauten. Unter Regierung des Abtes Meginhard (1035—1089) und mit Unterstützung des Fürsten Břetislav I. wurden diese Objekte durch Steingebäude ersetzt.

Seit der Mitte des 11. Jh. bildete das Areal von Břevnover Kloster die dreischiffige romanische Basilika mit einer Unterkirche (die Krypta) unter dem Mönchschor an der Ostseite dar. In westlicher Richtung schloss sich das Kirchenschiff an. Die Klausur befand sich an der Nordseite der Kirche, wobei an der Südseite wahrscheinlich standen das Haus des Abtes und auch einige Wirtschaftsgebäude. Andere Wirtschaftsobjekte wurden am Rand der Klosteranlage errichtet.

Aus diese Bauphase des Břevnover Klosters sind heutzutage nur die Teile der Kirche und kleiner Torso der Klausur und der Wirtschaftsgebäude auf dem östlichen Rand des Klosterareales bekannt. Auch deshalb bleiben einige Frage unbeantwortet.

Der Durchlauf des Ausbaues kann man nicht genauer bestimmen. Sicher ist aber die Tatsache, dass der Ostteil der Kirche, das heisst das Chor (Presbyterium) und die Krypta, die Bestandteile des östlichen Schlusses der Kirche waren. Sie entstanden spätestens in der Zeit bis 1045. In diesem Jahr bestatteten nämlich die Břevnover Mönche in ihrer Kirche den Leib ihres Ordensbruders aus Niederaltaich namens Günther. Mehr wird er als Einsiedler Günther bekannt.

Günter aus Käfenburg-Schwarzburg

ist um das Jahr 995 in einer bedeutenden Adelsfamilie in Thüringen geboren. Für den geistlichen Lebensweg entschiedete sich Günther erst im älteren Alter. Er verliess eine wichtige gesellschaftliche Stelle und im Jahre 1005 trat er ins Kloster (wahrscheinlich in Hersfeld) ein. Ein Jahr später finden wir ihn aber schon als Mönch im bayerischen Kloster Niederaltaich. Hier legte er im Jahre 1007 die Ordensgelübde ab und mit Erlaubnis des Abtes Gotthardes ging er in das thüringischen Kloster Göllingen, um hier eine Kommunität zu führen. Nach näher nicht bestimmten Problemme ist er aber nach Niederaltaich zurückgekommen. Kurz danach (zirka 1008) liess er sich als Einsiedler am Berganhang von Ranzingerberg im Bayerischen Wald nieder. Im Jahre 1010 gründete er in Rinchnach die Einsiederlei, aus der später ist das Kloster entstanden. Ungefähr im Jahre 1019 besuchte er den ungarischen König Stephan. Zum Aufenthalt am königlichen Hof bindet sich die Legende von lebendig gewordenen Pfau, sowie auch Günthers Aktivitäten bei Gründung des St. Mauritiuskloster in Bakonybél und seine Besiedlung von Mönche aus Niederaltaich.

In Böhmen in der Nähe von heutigen Dorf Gutwasser/Dobrá Voda bei Hartmanitz/Hartmanice liess sich Günther um das Jahr 1040 nieder. Die hierige Einsamkeit ist ihm, wie auch die vorherige Örter, wo er ale Einsiedler weilte, eher Zufluchtsort als ständiger Sitz, geworden. Jedenfalls führte ihn das Leben in der Einsamkeit nicht zur Gleichgültigkeit zu den zeitgenössischen Erreignisse. Einflussreichen, obwohl nicht unauffällige Rolle spiellte Günther als Vermittler und Ratgeber der damaligen Herrscher im Reich und im Böhmen. Zum Beispiel im Jahre 1040/1041 vermittelte so Günther den Frieden zwischen dem Kaiser Heinrich III. und dem Fürsten Břetislav I.

Nach Günthers Tod am 9. Oktober 1045 bestattete ihn Abt Meginhard, ebenfalls Mönch von Niederaltaich, auf Anlass des Fürsten Břetislav I. (der Legende nach im Einklang mit dem Wunsch des Verstorbenen) in der Břevnover Klosterkirche.

Das Streben nach Günthers Heiligensprechung in der zweiten Hälfte des 13. Jh. sowie auch in späteren Jahrhunderte blieb Erfolglos. An dem Rückgang der Verehrung von Günther nahm nicht nur die Vernichtung des Břevnover Klosters durch Hussiten teil, sondern auch in der Zeit nach Hussitenkriege die Unsicherkeit, wo der Ort der Aufbewahrung der Günthersreliquien sich befindet. Die Břevnover Reliquien wurden vor dem Angriff der Hussiten an dem Augustinerkloster in Glatz anvertraut. Von dorther wurden sie dann im Jahre 1486 nach Braunau überfahrt. Diese Rahmenangabe kann man auch auf die Reliquien von Günther beziehen. Zur Belebung des Güntherskultes erst die Bulle des Papstes Urban VIII. (1634) führte, die seine kultische Verehrung erlaubte, weil sie »von undenklichen Zeiten und ununterbrochen« bezeugt wird. Im Jahre 1684 wurde während der Reparaturen in der Politzer Klosterkirche der Altar von hl. Marie Magdalene geöffnet. In ihm entdeckt wurde ein Kästchen mit erhaltenen Knochen und mit dem Schedel. Weil man glaubte, dass geht es um Günthers sterbliche Übereste, wurden sie danach nach Břevnov übertragen, wo sie nach mehrfachen Übertragungen ins Altar mit dem Bild von Petr Brandl (Szene mit dem Tod von Einsiedler Günther) hineingelegt wurden (1726).

Günthers Grabstein (um 1250), der den ursprünglichen Ort der Aufbewahrung von Günthers sterblichen Überreste bezeichnet, wurde im Jahre 1761 im Klostergarten in der Nähe von Pavillon Vojtěška endeckt. Später hat man ihn in den äusseren Wand der Südseite der Kirche eingesetzt und schliesslich zu Beginn der vierziger Jahre des 20. Jh. wurde er durch Kopie ersetzt; der Original gibt an der Südwand des Kircheninterieurs.

Das Kloster ist bis Mitte des 13. Jh. als romanischer Bau geblieben. Zu dieser Zeit gehörte Břevnov zu den bedeutendsten kirchlichen Institututionen im mittelalterlichen Böhmen. Es ist auch Mutterkloster geworden, zu dem weitere Niederlassungen als untergeordnete Klöster gehörten (beispielweise Politz/Police, Braunau/Broumov oder in Mähren Raigern/Rajhrad). Eine starke Wirtschaftskraft und auch grosse Klosterbesitzungen ermöglichten einen allmählichen Umbau in den damals modernen gotischen Stil. Dieser Bauprozess begann ungefähr nach der Hälfte des 13. Jh. unter den Äbten Martin und Christian. In der Bauarbeiten setzte auch der 19. Břevnover Abt Bavor von Netschetin/Nečtiny (1290—1332) fort. Mit diesem Abt verbindet man die grösste Blütezeit des Břevnover Kloster.

Die gesamte Überbau des Břevnover Klosters im gotischem Stil wahrscheinlich aber nie ganz beendet wurde. Bei der Visitation des Klosters, die im Jahre 1357 Erzbischof Ernst von Pardubitz verwirklichte, wurde insgesamt schlechter Stand der Klostergebäude festgestellt. Dies weisst auf eine Hypothese hin, dass nicht nur der Ausbau der Kirche selbst, aber auch Ausbau von einigen weiteren Bauten setzte nach dem Tod von Abt Bavar nicht fort. Gotisches Areal ist so bis die Hussitenkriege nur als Torso geblieben. Während der Hussitenkrige ist zu schweren Schaden an Bauten gekommen, wobei den Umfang der Devastation kann man schwierig festzustellen. Dazu kam noch Verfall der Wirtschaftskraft des Klosters, sowie auch seines personalen Standes — die meisten Mönche aus der Břevnover Kommunität fanden gleich am Beginn der Hussitenkriege Zuflucht in der Probstei Braunau/Broumov.

Die Klöster dienten oft als Ziel der Angriffe der Hussiten — infolge davon sind manche ganz untergegangen. Der Überfall von Břevnov (22. Mai 1420) konnte sowohl wegen seine strategische Anlage bei Zugangswege zur Prag als auch wegen Wissen der Hussiten von feindlichen Stellung hierigen Ordensleute zu ihren Bewegung (z. B. der Břevnover Mönch Johann von Holešov gehörte zu den offen aufgetretenen Gegner von Johannes Hus) motiviert werden.*

* Exkurs: Johannes Hus und das Hussitentum

Johannes Hus (1371?—1415), ein Priester und Meister der Prager Universität bemühte sich um die Besserung der Kirche nach dem Vorbild der Bibel (»Besserung der Kirche« bedeutete damals zugleich Besserung der ganzen Gesellschaft). In seinen Bemühungen knüpfte er an die Wirkung des englischen Reformators John Wiklif an, sowie auch an seine böhmische Vorgänger Konrad Waldhauser (aus Oberösterreich stammende) und Jan Milíč von Kremsier. Seit dem Jahre 1402 redete er als Prediger in der Betlehemkapelle breites Spektrum der Bevölkerung an; im Jahre 1412 öffentlich und sehr scharf trat er von dem hierigen Kanzel gegen den Verkauf der Ablässe auf. Dadurch sind die Differenzen zwischen Hus und kirchlichen Lehre von jetzt an von breiten Kreise der Bevölkerung folgende Angelegenheit geworden; die bis dieser Zeit fanden meistens nur im Rahmen der Universitätsdisputationen statt. Der Konflikt hat den Hus letzlich nach Konstanz gebracht, wo am Konzil bemühte er sich seine Lehre über die Kirche verteidigen. Schliesslich er aber als Ketzer verurteilt und verbrannt wurde.

Das Hussitentum, eine religiöse und soziale Bewegung, auch mit nationelen Motiven, ging aus der Kritik des unerfreulichen Standes der katholischen Kirche aus (zwei und auch drei Päpste zugleich, schlechte Sitte von höherem Klerus, Schachern mit Sakramenten und vor allem grosse Besitze von weltlichen Güter). Die Reformbemühungen haben sich mit dem Vorbild der frühen Kirche identifiziert.

Die Predikten von Hus fanden bald Echo bei anderen Prediger, die in der Städte, aber auch auf dem Land wirkten. Besonders der Kritik des Besitzes von weltlichen Güter wegen, haben sie auch Einverständnis bei Adeligen gefunden. Als Symbol des Widerstandes gegen die Lehre und auch das Praxis der Kirche ist Empfang unter beiderlei Gestalt von allen Gläubigen geworden; das heisst nicht nur von Priester, wie es bis dieser Zeit bestimmt war. Daher stammt auch die Bezeichnug »Utraquisten«, weil die Anhänger dieser Lehre Brot und Wein unter beiderlei Gestalt / sub speciae utraquae empfangen. Die eigene Bewegung ist nach dem Tod von Hus in Konstanz (6. 7. 1415) geformt worden. Allmählich entstanden mehrere Strömungen unter die Geträue von Hus: auf der eine Seite die mässige »Prager« aus der Reihen der konservativ gesinnten Representanten der Universität und auf der andere Seite die radikal gesinnte Taboriten (die Stadt Tábor ist zum wichtigsten Hussitenzentrum geworden).

Durch die Erklärung des Kreuzzuges gegen böhmischen Ketzer (1420) trat die Reformbewegung zurück und zum Hauptmittel der Lösung der Konflikten ist Krieg geworden. Das Hussitenheer hatte in Männer wie Jan Žižka von Trocnov und später in Prokop sogenannten den Kahlen die Heerenführer von höchsten Qualität gehabt — alle grosse Schlachten angefangen mit Schlacht bei Prag im Jahre 1420 und endend mit Schlacht im Jahre 1431 bei Taus/Domažlice endeten alle mit Niederlage der Kreuzfahrer.

Die schwere Wirtschaftslage und auch die Ermüdung von langen Kämpfe führte allmählich zur Isolation des Radikalflügels und schliesslich zu seine Niederlage durch Heer des mittelmässigen Flügel der Prager im Schlacht bei Lipany im Jahre 1434.

So erst der heimische Zusammenstoss öffnete den Weg zur friedlichen Regelung der Beziehungen zwischen den massvollen Utraquisten und der katholischen Kirche. Auf dem kirchlichen Konzil zu Basel bestimmten die sogenannte Kompaktaten das Bereich der Kirchenreform im Böhmen; durch ihre Erklärung in Iglau/Jihlava im Jahre 1436 wurde die Revolutionsphase des Hussitentum abgeschlossen. Es folgten aber auch später die Bemühungen des Rückschlages der Situation (1467—1471 die Intervention von ungarischen König Matthias I. /Hunyadi/ Corvinus zu Gunsten der Katholiken oder ein Versuch der Revanche aus der Seite der Utraquisten während der Prager Revolte im Jahre 1483).

Schliesslich vereinbarten sich beide Seiten daran, dass die Streitfragen darf man nicht durch Gewalt lösen. Auf dem Landtag in Kuttenberg/Kutná Hora im Jahre 1485 wurde durch allgemeine Einnahme von Kompaktaten der religiöse Frieden zwischen Katholiken und Utraquisten abgeschlossen. Die konfessionele Verhältnisse im Böhmen änderten erst die Ereignisse am Beginn des 17. Jh., die in die Schlacht am Weissen Berg im Jahre 1620 äusserten. Diese Entwicklung führte danach zur folgenden Rekatolisierung des Landes.*

Nach Beendung der Hussitenkriege

blieb das Břevnover Kloster längere Zeit nur mit minimalen Zahl von Ordensleute besetzt und die Gebäude selbst meistens gar nicht repariert wurden. Die umfangreichere, obwohl immer noch nur Teilbauarbeiten wurden begonnen erst unter Abt Matthias von Tachau in den Jahren 1537—1553. Ihres wichtigstes Ergebnis war die Herstellung der Kirche, die seit dem Jahre 1545 für die Gottesdienste wieder zugänglich geworden ist. Wahrscheinlich zu dieser Zeit wurde im Styl der Spätgotik das Presbyterium der originären gotischen Kirche fertiggemacht. Dieses Presbyterium damals noch in die westliche Richtung verlängert wurde — im Unterscheid vom Kirchenschiff und anderen gotischen Bauten, die nie vollendet wurden.

Nach Teilreparaturen des nur kümmerlich lebenden Klosters in der ersten Hälfte des 17. Jh. und nach schweren Zeiten des Dreissigjährigen Krieges ist das Kloster erst unter dem Abt Thomas Sartorius (1663—1700) zur neuen Blüttezeit gekommen. In den Jahren 1668—1674 liess er im Břevnov neue Gebäude des Konventes aufbauen. Es handelt sich um den Bau des sogenannten Sartoriuskonventes, der vom Baumeister Martin Rainer gebaut wurde und dessen Teil auch heute südlich der Kirche steht. Schon vier Jahre danach gerade am Festtag von hl. Margarethe hat aber Feuer an Bauten des Konventes sowie auch an der Kirche grosse Schaden angerichtet. Vielleicht da hat ihren Ursprung die Devise des Abtes »Quod nocet, docet« — Was schadet, das belehrnt. Die Renovierungsarbeiten führte diesmal der Baumeister Martin Allio und später P. I. Bayer. Die Disposition des Baues hat im Jahre 1735 K. I. Dientzenhofer geändert, der ein Teil des Nordflügels, das ursprünglich bis zur Kirche führte, niedergerissen liess.

Othmar Zinke (1700—1738)

der wichtigste Abt der Barockzeit in Břevnov, hat im Jahre 1708 Neubau des ganzen Klosters begonnen. Die Bauarbeiten hat zuerst Paul Ignaz Bayer geführt. Weil aber der Abt Zinke mit ihm nicht zufrieden war, wurde er vom ihm entlassen und auf seine Stelle wurde im Jahre 1709 Christoph Dientzenhofer (1655—1722) eingenommen. Seit dem Jahre 1716 arbeitete er hier zusammen auch mit seinem Sohn Kilian Ignaz Dientzenhofer (1689—1751).

Zuerst vollendete Christoph Dientzenhofer den Bau der Kirche. Danach baute er den Konvent (Wohnbereich der Mönche) und nach seine Vollendung baute er in den Jahren 1716—1721 die Prälatur (Residenz des Abtes) aus.

Die Ausstattung in der Kirche und in den weiteren Räume des Klosters führten die erstklassige Künstler damaliger Zeit durch:
Die Maler: Petr Brandl (1668—1735), Jan Peter Molitor (1702—1756), Johann Jakob Stevens von Steinfels (1651—1730), Cosmas Damian Asam (1686—1739) und Johann Karl Kovář (1709—1749).
Die Bildhauer: Matthäus Wenzel Jäckel (1655—1738) und Karl Josef Hiernle (1693—1748).
Die Tischlermeister: Josef Ignaz Dobner (1678—1737) und Johann Sichtmüller († 1746).
Zu diesem Übersicht könnte man noch manche andere Namen anzureihen.

So wie in vorherigen Jahrhunderte

so auch in dem Zeitabschnitt nach diesen grossen Umbau des Kloters haben sich im Leben der Ordenskommunität und des Klosterareals verschiedene politische und kriegische Ereignisse abgespiegelt. Während jedem Feldzug durch Mittelböhmen immer wieder bezahlte das Břevnover Kloster auf seine Anlage bei dem Hauptzugangsweg nach Prag vom Westen. So büsste daran das Kloster nach dem Schlacht am Weissen Berg, als das Kloster durch die kaiserlichen Truppen ausgeplündert wurde oder in den Kriegsjahren 1741/1742 als die Sachsen und Französen das Kloster verwüsteten oder im Jahre 1744 und wieder im Jahre 1757 als das Kloster als preussisches Kriegslazarett dienen musste; in Folge davon war es nötig die Klosterkirche von neuem weihen (am 9. Oktober 1757 — bis heute wird das Kirchweihfest an diesem Tag gefeiert). In der Zeit der napoleonischen Kriege im Jahre 1813 war das Lazarett im Kloster nochmals. Diesmals waren hier die verwundete Soldaten der verbündeten österreichischen, preussischen und russischen, zugleich aber auch der französischen Armee. Zwischen den Jahren 1938—1945 waren hier nacheinanderfolgend die Soldaten der tschechoslowakischen, deutschen und schiesslich auch der sovietischen Armee einquartiert. Das Kloster trug nicht nur die Kosten vebundenen mit Einquartierung der Soldaten und mit der Pflege der Verwundenen, sondern auch vor allem in Konflikten des 18. Jh. den riesigen Last der Kriegsteurn. Nach Abzug der Soldaten musste man immer an Räumung und an Renovierung der Gebäude arbeiten.

Obwohl der barocke Neubau erhob das Břevnover Kloster wieder zur Grossartigkeit, das Niveau der Zeit vor der Hussitenkriege hat es schon nicht mehr erreicht. Während des ganzen 18. und 19. Jh. blieb im Rahmen der Abtei das Zentrum des geistlichen Lebens sowie kulturelen Wirkung der böhmischen Benediktiner das Kloster Braunau/Broumov, während Břevnov zu dieser Zeit lebte nun nur in seinem Schatten.

Nun können wir uns kurz den komplizierten Beziehungen der Klöster Břevnov und Braunau/Broumov widmen. Das Braunauer Kloster ist im 13. Jh. als die Probstei von Břevnov gegründet worden (als abhängiges Haus an seinem Mutterkloster). Im Verlauf des nächsten Jahrhunderts enkwickelte sich in der Umgebung von Braunau ein umfangreiches Territorium im Besitz der Benediktinern. Seine Bedeutung wuchs besonders danach, als hierher nach Devastation des Klosters in Břevnov im Jahre 1420 übersiedelte der grössere Teil der Břevnover Kommunität am Stirn mit dem Abt. Im nächsten Jahrhunderte residierte der Abt meistens in Braunau, obwohl des Titels nach sowie auch juristisch bleibt er immernoch Abt von Břevnov. Nach Herstellung des Břevnover Klosters entstand unter die Äbte Thomas Sartorius und Othmar Zinke neuer Stand — der Abt wird tituliert als »Břevnover Abt in Braunau« und später als »Abt von Břevnov-Braunau«. Diese atypische »Doppelabtei« — zwei Klöster mit selbständigen Kommunitäten, aber mit gemeinsamen Abt — existierte bis 3. Januar 1939. Damals in der Reaktion an die komplizierte politische Situation erklärte Papst Pius XI. Břevnov und Braunau als selbständige Abteien. Dominik Prokop, der bisherige Abt von Břevnov-Braunau ist seit Januar 1939 Abt von Braunau geworden.

Das Břevnover Kloster war folglich untergeordnet gerade dem Heiligen Stuhl, der durch apostolischen Delegat vertreten wurde; an diese Stelle nominiert wurde C. Hofmeister, Abt im bayerischen Kloster Metten. Als Vorsteher der Břevnover Komunität wurde als »Prior des Konventes« Anastáz Opasek bestimmt (er stand zwar an der Spitze der Kommunität, hatte er aber nicht das Recht die äbtliche Insignien tragen).

In der Zeit der 30. Jahren des 20. Jh. ist Břevnover Kloster, obwohl leider nur kurzfristig, zu wichtigen geistlichen und auch kulturellen Zentrum geworden. Seit dem Jahre 1939 geben die Břevnover Benediktiner ein Buchedition Opus Dei und die Zeitschrift Praporec heraus; in ihr finden wir die Artikeln auch von anerkannten Schrifteller Jaroslav Durych, Jan Zahradníček, Jan Čep oder Karel Schulz. Aus Mitgliedern der Kommunität seien erwähnten mindestens Anastáz Opasek und Jan Čeřovský.

Die Hoffnugsvolle Entwicklung

hat die Okupation der Tschechoslowakei untergebrochen. Während der Kriegsjahre wurde das Kloster besetz von der deutschen Wehrmacht. In einigen freien nachkriegerischen Jahren war es schon auf die vorkriegische Zeit der Zeitmangel wegen nicht möglich anzuknüpfen. Zuerst ist zur kurzfristegen Wiedervereinigung von Břevnov und Broumov gekommen. Nach die Aussiedlung der deutschen Mönche (1945—1946) wirkte als Verwalter des Braunauer Klosters Anastáz Opasek; zu dieser Zeit war er konventuales Prior in Břevnov und seit dem Jahre 1947 ist er Abt im selben Kloster geworden. Im Braunau selbst sowie auch in den Dörfer in der Umgebung ist es gelungen die fungierende Seelsorge festzusetzen.

Die Wirtschaftsverwaltung der Braunauer Abtei haben P. Salesius Sommernitz und Fr. Ivan Ringel übergenommen, beide aus Břevnov. Seit dem Herbst 1946 unterstützten die tschechische und einige gebliebene deutsche Benediktiner der Braunauer Abtei auch die Mönche aus dem Kloster Lisle bei Chicago (USA) unter dem Prior J. John Cherf.

Zu dieser Zeit hat die Břevnover Klosterkirche den Ehrentitel Basilica minor erhalten.

Damals näherte sich aber schon die gesammte Änderung der Verhältnisse im Staat: am 25. Februar 1948 haben die Kommunisten in der Tschechoslowakei die Macht übergenommen. Sehr schwer war diese Zeit für die Kirche. An ersten Stelle traff die Persekution die ausgewählte höhere kirchliche Würdenträger. Dann in der sogenannte »Aktion K« im Jahre 1950 folgte die Aufhebung aller Klöster im Staat. Das Břevnover Kloster war keine Ausnahme. Die Mönche nach unterschiedlich langen Zeit der Internation waren ins Zivilleben und Arbeit »eingereiht«, wobei einige von Priestern konnten danach auch als Priester tätig sein, nicht aber als Ordensmäner.
Areal des Klosters hat neue Nutzung gefunden: sogenannter Sartoriustrakt mit dem Wirtschaftshof besetzte die Staatssicherheit (der StaSi in der DDR gleichartig) und in der Prälatur und in den Räume des Konventes wurde das Archiv von Innenministerium untergebracht. Nur die Kirche mit die Pfarre konnten ihrem ursprünglichem Zweck auch weiter dienen.
Abt Anastáz Opasek wurde verhaftet schon am 19. September 1949. Er wurde von Hochverrat und Spionage verurteilt und am 2. Dezember 1950 zusammen mit anderen kirchlichen Würdenträger im konstruirten Prozess auf Lebenszeit verurteilt. Bedingt freigelassen wurde er im Jahre 1960. Danach arbeitete er als Bauarbeiter und als Lagerist in der Nationalgalerie in Prag. Im Dezember 1968 nach der Invasion der sovietischen Armee emigrierte er; danach lebte er im Benediktinerkloster in bayerischen Rohr, wo hat im Jahre 1946 ihres neues Heim die Kommunität aus Braunau/Broumov gefunden. In seinem Kloster nach Břevnov konnte Anastáz erst im Jahre 1990 zurückkommen.

Die Gebäude des Klosters haben während der Zeit des Kommunismus ziemlich viel Schaden erlitten. Der erneuerten Komunität ist es mit Hilfe des Staates aber auch der aussländischen Klöster gelungen die Gebäude des Kloster herzustellen und würdig 1000 Jahre der Existenz des Klosters im Jahre 1993 zu feiern. Zu diesem Anlass wurde die Abtei mit dem Ehrentitel »Erzabtei« dekoriert. Der Papst Johann Paulus II. persönlich besuchte das Kloster am 25. und 26. April 1997 im Jahre des Mileniums von Märtyrertod von hl. Adalbert.

Im Jahre 1999 nach dem Tod von Anastáz Opasek ist Vorsteher des Klosters als Prior-Administrator Petr Prokop Siostrzonek geworden. Am 21. November 2017 wurde er zum Erzabt des Klosters erwählt.

Nach dem Jahre 1990 ist wieder zur Wiedereinigung von Břevnov und Broumov gekommen — zur Zeit wird das Braunauer Kloster durch den Vorsteher des Břevnover Klosters verwaltet (administratiert).

Beide diese Klöster zusammen mit dem Prager Kloster Emauzy, mährischen Kloster Raigern/Rajhrad, slovenischen Kloster Marburg/Maribor und mit dem kroatischen Kloster in Cokovac bilden zusammen die Slawische Kongregation von hl. Adalbert. Diese Kongregation ist Bestandeil von der Weltkonfederation der benediktinischen Kongregationen (Confoederatio benedictina mit Sitz des Abt-Primas in Rom).